DIE IDEE



Du führst mich hinaus ins Weite
du machst meine Finsternis hell. Psalm 18

In meinem zweiten Semester an der Uni Köln gab es ein spannendes Seminar mit Klaus von Stosch. Es ging um die Möglichkeit von Gotteserfahrungen und einer praktischen Erfahrbarkeit des Erlernten auf einer zwei-wöchigen Pilgerreise auf dem Jakobsweg von Logrono nach Léon. Das war noch vor Kerkelings „Ich bin dann mal weg.“ 
Diese Erfahrung war prägend und entfachte ein Feuer in mir, dass bis zum heutigen Tag lodert: Ich muss noch einmal auf den Camino, auf den Weg. Der Jakobsweg ist heute eine regelrechte Pilgerautobahn geworden. Pilgern ist IN, tausende Menschen bereisen mittlerweile täglich diesen alte christlichen Pilgerstrecke nach Santiago de Compostela. 
Alle sind dabei: Reine Touristen, Pilgrimierte Touristen, pilgernde Touristen, Pilgerreisende und echte Pilger.


Ich habe mich für den Weg nach Rom entschieden. Es gibt noch nicht den Romweg schlechthin, sondern verschiedene Möglichkeiten von Deutschland aus Rom zu erreichen. Vor 800 Jahren sind meine Franziskanerbrüder aus Italien nach Würzburg gekommen. Ich werde diesen Weg von Würzburg über Augsburg, Innsbruck, Padua und Assisi wieder zurückgehen, zu meinen franziskanischen Wurzeln hin, um dann das letzte Stück nach Rom zu gehen, wie es damals der Heilige Franz getan hat, um seine erste Regel und damit seine Lebensweise vom Papst anerkennen zu lassen.

Der Weg ist das Ziel.“ Das ist natürlich Quatsch. Der Weg ist das Mittel zum Ziel und zwar ein unumgängliches. Er kann schön sein, er kann hart sein, ja er kann sogar bisweilen grausam sein. Der Weg hält viele neue Erfahrungen und Eindrücke für einen bereit; das Wachsen ist eine der Begleiterscheinungen des Unterwegsseins.  Aber das wichtige, nicht austauschbare Ziel bleibt letztlich das ANKOMMEN. 

So möchte ich auch GEHEN auf franziskanischen Wegen und ANKOMMEN in der heiligen Stadt Rom.
Pilgern geht los mit möglichst wenig und ohne zu viele eigene Detailplanung und Vorsorge, damit ich diese Sorge Gottes für mich und um mich erfahre. Eine Erfahrung, die verändert. Nicht mehr um mich selbst kreist alles. Und mein Leben läuft nicht mehr im Kreis. Es bekommt ein neues Ziel und es lebt aus dem Vertrauen.
Das sollte die Erfahrung des Pilgers sein. Das geht freilich nur, wenn ich das Pilgern wirklich als Pilgern anlege, nicht als eine Art Selbsterfahrungstrip oder Abenteuerurlaub. Also nicht nur „Ich bin dann mal weg“, sondern „Ich gehe zu Dir“ und so auch zu mir.



Schon Jesus sendet seine Jünger ohne alle Ausrüstung und Sicherung los, damit sie diese Erfahrung machen und lernen, sich auf Gott zu verlassen. Ihm zu glauben und das Leben in Gottes Hände zu legen. Und dazu sind Pilgerfahrten zuerst da.




Im Abendmahlssaal fragt Jesus seine Jünger: „Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten?“ Sie antworteten: „Nein“ (Lk 22, 35). Das ist die ganz besondere Vorsorge Gottes für die Seinen.

Jetzt nach langen Jahren des Studiums geht ein Lebensabschnitt zu Ende.
Es ist Zeit Dank zu sagen für diese Zeit, deshalb nehme ich Euch alle mit auf diesen Weg, alle die mich auf diesem Weg begleitet haben, mit denen ich ein Stück Lebensweg gehen durfte.
Es ist Zeit, um Vergebung zu bitten, alle, denen ich Böses getan habe, bewusst oder nicht gewusst.
Es ist Zeit...wieder zu gehen!

Herr auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben
- aus der Komplet der Kirche und mein Profess-Spruch -